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Der Weg zum guten Ton

Damit bin ich unterwegs zu einem Thema, welches mir als Laienmusiker unendlich schwer fällt und eigentlich die Domaine eines Spezialisten sein sollte. In Ermangelung eines solchen möchte ich trotzdem einige wesentliche Punkte aufführen, die ich aus unterschiedlichsten Quellen zusammengetragen habe.

Der gute Ansatz beginnt schon vor dem eigentlichen Blasen. Man muss sich körperlich und mental konzentrieren. Die richtige Haltung ist ein etwas breitbeiniges Stehen,das Becken ist geringfügig nach vorne abgekippt, die Schultern hängen nach unten. Man sucht seinen Schwerpunkt nach unten und zentriert sich. Aus dieser Position heraus kann man sowohl die Tiefe wie auch die Höhe gewinnen. Dann kommt ein Punkt der Konzentration und die gedankliche Vorstellung des Tones den man blasen möchte. Dann Inspiration tief in den Bauch hinein. Der Bauch wölbt sich dabei deutlichst nach vorne. Gleichzeitig baut man die Stütze auf, indem man nach die Lungen am Rücken und an der Seite aber auch an der Brust füllt (das geschieht durch die Zwischenrippenmuskulatur). In dieser Phase verfügt man über ausreichend Luft um eine kontrollierte Luftsäule auszuatmen. Der Verschluß der Luftsäule darf aber nicht am Kehlkopf erfolgen, der muss absolut frei bleiben. Das ist der Fall wenn am in dieser Phase der Anspannung noch deutlich sprechen kann. Beim Blasen wird die Luftsäule nicht durch passives Nachlassen der Lungen sondern immer mit Luftstütze, also durch die Bauchpresse erzeugt. Das geht nur mit ausreichend Muskulatur erfordert Übung. Kontrolle: Die Expiration ist warm und feucht (an den Handrücken atmen) kommt als aus den Eingeweiden und nicht kalt. Das Mundstück macht die Verbindung von dem Menschen zum Instrument. Hier ist es wichtig einen möglichst druckfreien Ansatz zu entwickeln. Die Luft wir angehalten nicht durch Verschluß irgendwo im Kopfbereich sondern durch die aktive Kontrolle der Atem- und Bauchmuskel. Ich kann empfehlen, das Horn nur mit dem Fingerspitzen leicht aufgelegt zu halten. Damit muss man dann bis zum c3 kommen ohne zu drücken. Gelingt das ist man richtig.

 

Als Erstes sind wir natürlich bei der Gretchenfrage schlechthin: Gibt es einen bestimmten jagdlichen oder Parforcehornton und wie kann man ihn definieren ? Die Ausführungen von Stief habe ich schon an mehreren Stellen erläutert. Man darf aber behaupten, dass sie nur für die Musik in seinem musikalischen Umfeld gelten, andere Autoren sehen die Sache wohl völlig anders.


 

Aber stellen wir genau diese Frage doch einfach mal ans Ende, sonst schütten wir das Kind gleich mit dem Bade aus und widmen uns erst mal dem kleinsten gemeinsamenen Nenner, den Grundlagen, dem was jeder Lehrer seinem  Schüler als Erstes vermiteln sollte.

Musik ist das, was bleibt wenn die Instrumente verklungen sind

Musik hinterlässt also einen Eindruck, ist eine Aussage, die von der einen Seite ausgesprochen und von der anderen Seite empfangen wird. Musik ist wie eine Sprache und hat  eine dritte Dimension, die über die Erzeugung von Tönen und Klängen hinausgeht. Sie berührt indem sie sich zwar nach mathematischen Takten  richtet, aber gleichzeitig nuancös wieder davon abweicht. Durch Letzteres wird sie menschlich.

Wenn ein Mensch einem anderen phonetisch etwas mitteilen möchte, redet er mit ihm und spricht einen Satz aus. Dieser Satz besteht aus Wörtern, endet mit einer Zäsur und beinhaltet eine klare Aussage, eine logische Einheit.

Diese wird verständlich und mit Selbstbewusstsein vorgetragen. Die einzelnen Wörter müssen klar erkennbar sein und einen Tonfall haben, damit man sie richtig beziehen kann.

Exakt so ist das in der Musik auch, nun nennt man solch eine Einheit eben eine Phrase. Sie beinhaltet ein Motiv oder zumindest Teile davon.

Die Wörter, gleichwohl die Noten müssen deutlich artikuliert werden.

Nuschelnde, fränkische (d/t  Problematik (tanken und danken)) Aussprache ist hier fehl am Platze.

Ein sauberer Ton kann mit "Ta -Taaa" lautmalerisch wiedergegeben werden. "Da-Daa" trifft die Sache nicht. "Tatt-tatt" auch nicht.

Gerade der jagdliche  6/8 Rhythmus oktruiert uns fast schon einen sauberen Anstoß auf, hier zu "nuscheln" ist ein Faux-pas.

Leider zieht sich dieser Fehler durch alle Stimmen. Neben der Melodie ist es vor allem in der dritten Stimme um im Bass, wo durch unsauberen Anstoß häufig ein saußenähnlicher unartikulierter Melodiesumpf entsteht.

So sollte, grafisch dargestellt (Programm Audacity) der Anstoss sein.  Immer saubere Dreiecke, Anstoß mit sofortiger!  Entspannung des Tones.

Hier ist die TonfolgeTa-Taa-Ta-Taa-Ta-Taa-Ta-Taa-Ta-Taaaa abgebildet.

Bei dem Taa ist vor der Entspannung ein Plateau sichtbar, wie ein Rechteck vor dem Dreieck. Die Entspannung setzt später ein als beim Ta.

Bei zu hartem Anstoß bildet sich durch Verwirbelungen vor dem Dreieck ein "Würstchen"

Die Amplitude geht zwischen den Tönen auf Null zurück.


Für einen sauberen Anstoß ist Zungenarbeit gefragt.

Die Zungenspitze startet den Ton, sie kann weich oder hart anstoßen, je nachdem ob sie breit und weich oder spitz und hart ist.

Der Zungenrücken hilft dem Luftstrom, Bindungen geschmeidig auszuführen. Er wölbt sich dabei gegen den Gaumen und moduliert den Luftstrom.

Neben der Zungenarbeit ist aber auch mimische Arbeit gefragt. Die Entspannung des Tones wird durch die Gesichtsmuskulatur gewährleistet. Das bedeutet wie beim deutlichen Sprechen viel Arbeit mit den Backenmuskeln, wie auch beim Singen (daher spricht man vom cantabilen Blasen)  Eine deutliche Artikulation kostet enorme Kraft, lohnt sich aber für die Aussage der Musik. Es bildet sich ein Zusammenspiel zwischen dem Ringmuskel der Lippen (Pfeifansatz) und dem Backenmuskel (M buccinator) (Lächelnder Ansatz). Es ist wie ein ständiges Tauziehen zwischen zwei gleich starken Partien, von denen keiner gewinnt. Ein zu sehr lächelnder Ansatz ist ein Fehler, ein pfeifender Ansatz ebenfalls. Richtig wäre ein "süß-saures "Lächeln.

Die dritte und vierte große Komponente, dier Unterkiefer/ Hals,   die Luftführung und die Stütze müssen an anderer Stelle angesprochen werden.

Wenn graphisch vor dem Dreieick sich zu breites  Rechteck befindet, also ein langes Plateau hat der Ton einen unschönen, hupenden Charakter.

Hier fehlt die Arbeit der Zungenspitze, die Entspannung des Tones setzt zu spät ein.

"Ta-Daa-Da-Daa-Da-Daaa". unsauber-hupend

Bei D als Anfangskonsonant ist die erste vertikale Seite des Dreiecks nicht mehr gerade und wird zusehends runder . Die Form wird karottenartig.

 


 

Die deutliche Aussprache des Tones und die sofortige Entspannung ist auch die Grundlage des lockeren  Légèreté , légèren Spiels . Sie ist ein absolutes Muss  für den schönen Ton und wird oft gerade im deutschen Bereich viel zu wenig berücksichtigt.

Gerade , wenn nicht vor allem im Fürst Plessbereich ist hier noch eine Bärenarbeit zu leisten. Ein roter Kopf mit heraustretenden Adern sollte nicht das Markenzeichen der ersten Stimme sein. Diese  Art zu spielen ist weder gesund noch schön. Die Kondition ist schon meist nach einer bis zwei Minuten überschritten wenn die Töne durchgeblasen werden.

Sehr deutlich zu sehen  ist das bei langen, ausgehaltenen Noten:

In vielen musikalischen Darbietungen von Parforcehorngruppen fällt ein Quietschen der Töne, besonders f 2 und g2 auf.  oftmals denkt man, es würden Katzen gequält.

Das kommt dass in jeder Gruppe ansatzschwache Bläser versuchen die hohen Töne auch noch zu herauszuquetschen und die Töne werden aufgeblasen statt entspannt. Oft sind es auch die d2 in den zweiten Stimmen, die zusammen mit dem g2 geblasen werden gänzlich fürchterlich klingen.

Graphisch sieht das dann so aus:

Entspanntes g2, harmonisch, aber 3 Schläge ausgehalten:

 

Ausgeblasenes g2, drei Schläge, sehr unschöner Klang: Typ Vuvuzela

 

 


In der Trompe-Schule von V. Corrette werden vier Anstoßarten beschrieben:

Das Coulé: kann man einfach als Bindung im übersetzen. Der Zungenrücken ist in maximalerhorizontaler Aktion, die Bindung selbst wird aber über den Luftstrom ähnlich wie über einen Bogenstrich bei der Geige geführt.

Das Détaché: entspricht dem Staccato. Harte und spitze Zungenspitze, schnell beschleunigte Bewegung der Zunge. Ta-Ta-Ta-Ta. Détaché heisst abgesetzt oder  gut artikuliert. Die Ausführung kann einfach oder als Doppel-  (Tücke-tücke-tü) oder Triolenzunge gemacht werden.

 

 

Das Piqué: bedeutet eine glockenähnlich angestoßene Note. Der Klang entsteht durch Verschluss der gespannten Luftsäule mit der Zunge und ruckartiger Rückziehung derselben. Man kann sich das vorstellen als wenn man einen Tabakkrümel auf der Zungenspitze hat, den man man scharf ausspuckt. Jede Note verklingt etwa  wie ein Fortepiano subito.

Pikieren heisst stechen.

Das Louré: entspricht dem Tenuto. Dabei werden durch Querschläge der Zunge die die einzelnen Noten sehr weich, fast bindeartig angestossen. Die Zungenspitze ist weich und breit.

 

Am besten schauen wir uns mal den Artikel aus der Trompetenschule von MS Schweizer an, er stammt aus dem Internet und ist unten nochmal als pdf beigefügt.

www.mv-schweizer/de/fileadmin/produkte/pdf/356/356-ansatz.pdf

Dem kann ich kaum mehr etwas beifügen, vielleicht noch, dass es noch einen Pfeifansatz gibt mit dem in der Oktav man inoch deutlich höher kommt, dazu ein YouTube Video, welches mich sehr beeindruckt

 

Solch einen Ansatz bekommt man nur durch einen stahlhart durchtrainierten Ringmuskel (Pfeifmuskel)

Ich muss betonen dass dieser Ansatz zwar spektakulär ist, der Strahl ist einfach unglaublich, aber es hilft uns nicht unbedingt für unser Jagdhorn weiter. Wir müssen nach einem anderen Ansatz suchen.

Die heutigen Parforcehorn sind allesamt mit einen Trichtermundstück ausgestattet. Durch den Trichter werden weniger Obertöne erzeugt, der Ton wird weicher und romantischer. Der Klang des Hornes soll der menschlichen Stimme mit all ihreren Nuancen sehr nahe kommen.

Allerdings findet man beim Fürst Pless Horn und bei den Jagdhörnern aus der Zeit des Barock die Kesselmundstücke der Trompeten.

Der Hornist ist im ständigen Bemühen, seinen Hornton zu veredeln.

Dazu versucht man zunächst den Ansatz zu zentrieren, sprich genau ins Zentrum der Seelenbohrung zu blasen.

Vieles macht er auch mit seiner rechten Hand, allerdings nicht beim Jagd- sondern beim Inventions- und Naturhorn. Zumindest ist das nicht üblich so. Ich persönlich habe meistens meine Hand in der Stürze, weil ich gerne das f2 abmildere oder auch das a2 vom b2 her herunterdämpfe. Mit der Hand kann man sehr schöne Klangnuancen erzeugen, warum sollte ich darauf verzichten ??

 

Der Hornist hat vom Ansatz aber weit mehr zu tun, als seine Lippen richtig zu spannen. Der Ton fängt viel weiter unten an, mit der Atmung, mit der gesamten körperlichen Haltung, mit den Verhältnissen im Hals und der Arbeit des Unterkiefers.

Erst durch die Synchronisation der Atmung mit der Musik lässt sich richtig phrasieren oder deutlich artikulieren. Die eingeatmete Luft muss sich genau mit der durch die Tongebung in einer Phrase verbrauchten Luft decken.

Es ist genau so falsch wenn einem Bläser die Luft ausgeht wie wenn er noch zuviel Luft am Ende einer Phrase übrig hat. Das Einatmen kann schnell über den Mund oder langsam über die Nase erfolgen. Bei ersterer Methode wird schnell viel Luft gesammelt, bei letzterer eher das Zwerchfell gespannt so dass dessen Stütze sehr gefühlvoll für radoucierende (weiche)  Passagen zur Verfügung steht. Vor solchen Passagen kann es sehr hilfreich sein, nur so viel Luft wie man benötigt, langsam durch die Nase zu sammeln.

Spricht man über die Atmung kommt man wohl um gewisse medizinische Grundkenntnisse nicht herum.

Wie wir wissen erfolgt die Ausatmung primär autonom durch die elastische Kontraktilität der Lunge. Lungenfunktionsstörungen wie Asthma, Fibrose, Emphysem oder Tumore können diese Phase sehr negativ beeinflussen.

Zusätzlich gibt es aber auch Muskeln, die an der Atmung beteiligt sind und zwar die des Zwerchfells und die Rippenzwischenmuskulatur. Das Zwerchfell ist mehr oder weniger eine membranöse Struktur, die durch die Zwerchfellpfeiler gespannt die Lunge aufzieht und das Luftvolumen erweitert. Während der Ausatmungsphase kann es die Lunge  auch kontrolliert entspannen und sogar Impulse geben. Mann nennt das Stütze. Die Rippenzwischenmuskeln ziehen  eher die Ränder der Lungenflügeln auf. Man kann sie sehr schön trainieren so dass man beträchtliche Luftdepots am Bauch, am Rücken und in den Schultern entwicklen kann, die man dann  effektiv für das Blasen einsetzen kann.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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