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Die französische Fanfare - Teil 3

Ausgewählte französische Stilelemente:

In der Schule von V. Cornette werden 4 verschiedene Arten des Anstoßes beschrieben.
Die Franzosen bezeichnen das als „Attaquement du son“  heißt „wie man einen Ton anpackt (angreift)“

Quelle: V. Cornette, Methode de Trompe de Chasse

Das Coulé

Coulé bedeutet: Strom, Fluss

Dies kann man einfach als „Bindung“ oder  „Legato“ übersetzen.  Nachdem beim Naturinstrument die Ventile fehlen wird die Bindung ausschliesslich über die Luftführung und -geschwindigkeit im Horn realisiert. Sie gleicht somit einem Bogenstrich.  Die Luftgeschwindigkeit ist dabei kongruent mit Höhe des Bogens, will heißen, sie erreicht ihr Maximum an der höchsten Note Die Zunge ist dabei nach hinten gezogen und beteiligt sich wenig. Bindungen über ganze Sequenzen sind eher selten, Bindungen zwischen zwei oder drei Noten häufiger anzutreffen. Aussprache  einer Bindung ist „ta-ra“.

Atemtechnik beim Coulé ist „Souffle chaud“, warmer Atem aus der Tiefe der Lunge. Man erkennt den warmen Atem, wenn man gegen einen Spiegel haucht und der dann beschlägt oder auch wenn man gegen den Handrücken bläst.

Couleés werden eher selten bei Fanfaren verwendet, sie sind  aber hingegen ein klassisches Stilelement des Wiener Stiles. Dort werden sie kunstvoll gespannt, dann wieder abphrasiert.  Sie kommen meist im „Adagio sostenuto“  oder „Cantabile“ vor. Coulés können mit einem Inventionshorn oder Horn mit Waldhornmensur viel leichter geblasen werden. Bei diesem Instrument gelingt es auch leichter, Bindungen über ganze Sequenzen zu vollziehen ohne dabei zu „haken“.

Bei der französischen Musik finden sie in den Radouci-Teilen und bei den  Soli ihre Verwendung. Dort findet man als Vorschrift meist „Lent et bien chanté“ (Langsam und schön gesungen).

Ansonsten heißt es „Evitez le Coulé, (Vermeiden Sie das Coulé)!

 

Das Détaché

Détaché bedeutet: deutlich abgesetzt.

Détaché und Piqué trennen die Noten voneinander während Coulé, Loure´, Roule und Tayaut die Noten verbinden.

Gut abgesetzte Töne sind für einen schönen Parforcehornton von elementarer Bedeutung  wie eine deutliche Aussprache in einer  gut artikulierten Sprache.  Es kann dem gar nicht genug Bedeutung beigemessen werden.
Die Ansprache beim Détaché entspricht einem „ta“ mit hartem t. Wenn ein Bläser zungenfaul ist und nicht gut detachiert, „schmiert“ und verwäscht er die Töne, die Ansprache wird weich  zum „da“.  Die musikalische Aussage kommt dann nicht mehr herüber, weil die Informationseinheiten  der Musik nicht klar getrennt sind.
Détaché hat primär nichts mit einem Staccato zu tun, bei dem der  Notenwert akzentuiert aber auch verkürzt wird.
Das Détaché  wird  mit „Souffle froid“ geblasen, kaltem Atem, mit dem man beispielsweise eine Kerze ausbläst. Die Luft kommt aus den oberen Atemwegen und nicht  aus der Tiefe der Lunge. Am besten kann man das bildlich mit einem Rasensprenger vergleichen. Ein konstanter Luftdruck aus der Lunge wird am Sprengerkopf im Takt der Musik  abgeschnitten und wieder zugelassen.

Wenn die Sechzehntel  immer schneller werden sollen  finden Techniken wie die Doppelzunge  (Tücke-TückeTücke - Tücke tüü) ihre Anwendung. Doppelzunge kommt aus der Militärmusik, man  findet kann sie bei Märschen ( Marche oder Pas Rédoublé) anwenden.

Meist reicht für unsere bläserischen Belange  aber ein sauber abgesetzter einfacher Zungenschlag.

Hier ein Beispiel aus „A Cheval“

traditionell

 

Das Piqué

Dies bedeutet eine scharf angeschlagenen (piquer = stechen) Note. Sie wird oft mit dem Zeichen „ > „ notiert. Der Klang entsteht durch Verschluss der gespannten Luftsäule mit der Zunge und impulsartiger Rückziehung derselben.
Man sagt, das Piqué hat eine kurze Phase der Geburt, blüht kurz auf um danach unmittelbar wieder zu versterben. Es macht einen sonst breiten Ton schlanker und putzt ihn somit heraus.
Der Piquéton ist ein wünschenswerter  Ton,  den man beim Hornspiel anstreben möchte.
Das Gegenteil des Piqués, ein durchgeblasener Ton klingt niemals  elegant. Statt einem durchgeblasenen Ton ist es viel besser den Ton dreimal zu piquiren. Durch das Abklingen des Tones kann man immer wieder  einen kleinen Schnappatmer machen, so dass man auch sehr schöne mehrere Piqués auf längeren  (weißen) Noten präsentieren kann.  Das Piqué ist  daher wichtig bei der Beendigung eines Stückes, insbesondere wenn es mit einem Decrescendo kombiniert wird.

Quelle: Carabin, Conte; Heinrich; Bien Sonner de la Trompe de Chasse.

 

Der Glockenton

Glockentöne haben ähnlich wie Piqués  das unmittelbare Decrescendo. Sie beginnen aber nicht so abrupt und schwellen viel länger ab, nämlich bis die nächste Glocke schlägt oder sogar darüber hinaus. Glocken ondulieren in der Frequenz.
Hohe Glocken schwingen  deutlich schneller als tiefe Glocken. Glocken bestehen immer aus Paaren. Schwingt der Klöppel vom Zuhörer weg wird die Frequenz tiefer, als wenn der Klöppel zum Ohr des Zuhörers hin schwingt. Deswegen klingt eine Glocke „Bimm“ etwas höher und „Bamm“ etwas tiefer.
Bei den Hörner wird das durch zwei Bläser imitiert die im Wechsel und aufeinander abgestimmt  beispielsweise e2/d2 oder c2/g1 blasen. Jeder Bläser spielt aber immer nur eine Note.

Glocken können komponiert sein oder auch frei geblasen werden.

 

Das Louré

Das Louré ist eine Mischform zwischen Legato und angestoßenen Tönen. Es entspricht  in etwa einem vibrierenden  Portato.  Dabei wir auf jede einzelne Note ein identischer Stützimpuls gesetzt, die Aussprache  der einzelnen Töne bleibt dabei  aber weich  „Da-da-da“ mit einer Vibration in der Figur. Zwischen Louré und Roulé wird in der Literatur häufig auch kein Unterschied gemacht, außer das Ersteres sich auf drei gleichen Noten abspielt.

 Notiert nach Literatur

Lautmalerisch dargestellt

Die einzelnen Noten werden voneinander durch Querschläge der Zunge  leicht abgesetzt. Es wird  dreimal die gleiche Note repetiert. Vibrierender Charakter.

 

Das Coupé (von couper, abschneiden)

Neben Vorschriften wie man einen Ton angreift gibt es auch welche wie ein Ton am Ende einer Phrase oder auch  des Stückes beendet wird, man bezeichnet das als  „Arret“ oder „Finale“. Die letzte Note wird etwas „abgerissen“, indem  man von der vorletzten zur letzten Note eine kurze Bindung nach unten vollzieht.

Quelle: Carabin, Conte, Heinrich Bien Sonner de la Trompe de Chasse,

 

Ton simple - Ton de Vénerie

Die geschriebenen Noten einer Fanfare werden niemals Eins zu Eins ohne interpretatorische Elemente wiedergegeben.  Man bezeichnet das als  “Ton simple".  Der Ton simple dient dem Anfänger zum Lernen oder später, um eine musikalische Aussage vor einer Bearbeitung grob zu skizzieren. Selbst im Ton simple wird schon ein ternärer Rhytmus der Fanfaren verwendet.
Meiner Meinung nach ist es völlig inakzeptabel, sich freimütig in der französischen Literatur zu bedienen und  dann das Stück im Ton simple herunterzublasen. Damit sich dann noch vor einem internationalen Publikum zu präsentieren ist peinlich.
Wenn man das besser machen will, braucht man nur wenige Besonderheiten der französischen Musik zu übernehmen und gezielt und dosiert auf unsere Parforcehörner zu übertragen.

 

Ton de Vénerie

Nun wartet die französische Jagdmusik aber noch mit vielen weiteren Stilelementen auf, die in der Trompemusik ihre Anwendung finden. In wieweit sie in unsere Parforcehornmusik eingebunden werden könnte, muss nun diskutiert werden.
Nota bene: Es ist ein sehr schwieriges Terrain, mit dem Parforcehorn Trompe de Chasse zu spielen. Dafür ist das Instrument  schon von seiner Bauart her, einfach nicht geeignet. Das bedeutet aber nicht, dass man auf die französische Literatur ganz und gar verzichten muss.
Die einfache Kenntnis einiger spezieller Stilelemente und deren Anwendung sind als Minimalvoraussetzung  allerdings  der Respekt, den man  der "Grande Nation" zollen muss.

Diese Stilelemente machen den Ton de Vénerie aus, also einen unverkennbaren Jagdcharakter, den auch der Zuhörer sofort erkennt.

Darüber hinaus gibt es  eine immer weiter sich entwickelnde freie Wiedergabe in der Trompemusik, die als Cadence (Taktgefühl) bezeichnet wird. Die Gesetze der Cadence sind äußerst flüchtig. Wenn auf irgendeiner Stage ein hervorragender Bläser etwas  Spektakuläres bringt, wird das von der ganzen Trompe- Gemeinde aufgenommen und integriert. Damit sind die Ausführungen ständigen Umwandlungen unterworfen und nicht statisch reglementiert. Darüber hinaus gibt es regionale Unterschiede so dass die Interpretation der Musik gleichsam Dialekten derselben Muttersprache ist.

Der “ Duden” dieser Muttersprache sind allerdings die Reglements der FiTF  der Féderation internationale des Trompes de France   http://www.fitf.de . Dort sind die Techniken genau beschrieben, wie die Ausführungen dem aktuellen Standard entsprechen.

 

Das Vibrato

Die französische Musik klingt immer etwas bienenschwarmartig. Der Ton onduliert ständig zwischen zwei Grenzen, welche  die Musik ihrerseits  unverkennbar machen. Die Art der Vibration hängt sehr stark von der individuellen Ausdruckskraft des Bläsers ab. Sie ist unabdingbar mit einer starken Luftführung „Puissance“ im Instrument verbunden.

Ein gewisses Natur- Vibrato klingt auch auf dem Parforcehorn angenehm, wird dort aber nicht als stilistisches Mittel sondern eher als Timbre aufgefasst. Von einem echten Trompevibrato würde der Autor beim Parforcehorn absehen.

Quelle: Carabin, Conte, Heinrich Bien Sonner de la Trompe de Chasse,

Die Trompe wird mit einem sehr scharfrandigen Mundstück geblasen. Dies erleichtert die Ausführung von Verzierungen erheblich und führt  zu einem hellen, klaren Timbre mit schönem Naturvibrato. Diese Mundstücke sind auch mit Waldhornschaft „W“  z-B. über die Firma Klier erhältlich. Die Investition in ein solches Mundstück kann sich für einen Parforcehornbläser  als lohnend erweisen, wenn er das Timbre seines Instrumentes verschönen möchte.

Quelle: http://josefklier.de/mundstuecke/fuerst-plesshorn-parforcehorn-trompe-de-chasse

 

Das Rubato

Rubato, von rubare = berauben. Einem Notenwert wir ein Teil seiner Zeit entzogen und dem nächsten zugeschlagen. In der Summe bleibt die Zählzeit erhalten, verschiebt sich aber innerhalb einer Phrase. Durch Anreihung von mehreren Rubati kommt es zu einem Off-Beat Rhythmus und die Tonsequenz nimmt einen saltatorischen (hüpfenden) Charakter an.

Dieses Rubato  wird häufig bei Sequenzen von Achtelnoten vor allem im 2/4 oder 4/4 Takt angewendet. Das Rubato ist ein fundamentales stilistisches Element. Es vermittelt das Gefühl von Freiheit aber auch Eleganz und erinnert immer etwas  an die  Turbulenz von  Jagdszenen mit Reiterei und Hundegeläut.

 

Der Jagdliche 6/8-Takt

Im Jagdlichen 6/8Takt wird der Galopp des Pferdes imitiert, bei dem das erste und vierte Triolenachtel durch das Aufsetzen der Hufe betont sind. Dadurch entsteht ein zusammenhängendes Gebilde von zwei  Dreiergruppen. (Ternäres Grundgerüst mit binärem Rhythmus). Würde das Pferd beim Galoppieren das zusammenhängende Gebilde unterbrechen, würde der Reiter sehr unsanft und schneller als erwartet absteigen. Der Zusammenhang sollte, wie beim Reiten (der Reiter bezeichnet es als Aussitzen), alla Breve, weich und komfortabel intuitiv erfasst werden, dann klingt es auch angenehm für die Ohren des geneigten Zuhörers. Man könnte daher behaupten: „Eine Fanfare wird nicht geblasen sondern geritten“. Der oben erwähnte Off-Beat Rhythmus gleicht dem Ausgleichen des Reiters von Bodenunebenheiten und Hindernissen über das das Pferd hinwegsetzt. Der Fluss des Galopps findet sich  in einer Leichtigkeit des Spiels (Légèreté) wieder, die für die französische Musik unabdingbar ist.

 

Der Auftakt

Die erste Note an Anfang der Fanfare ist kein als Auftaktachtel zu dem ersten Dreierachtel  im herkömmlichen Sinne zu verstehen, sondern als eigenständiger Start- und Angriffspunkt  „Attaque“ An diesem Punkt wird das Instrument in Vibration gesetzt und auch über den gesamten Atemzug beibehalten. Der Wert der Note hat Agogik, sie wird geringfügig verlängert um dann mit voller Kraft loszustürmen zu können. Der Auftakt bedient die anderen Noten.

Es ist so ähnlich wie wenn man bei seinem Auto  durch Spielen mit dem Gaspedal etwas Eindruck schinden will. Man gibt Gas, hält dabei aber noch etwas die Bremse um dann mit beim Loslassen derselben mit quietschenden Reifen loszufahren. Historisch gab es natürlich keine Autos, daher hinkt mein Vergleich etwas, aber auch ein Pferd galoppiert nicht mit einem Auftakt an, sondern drängt  aus einem festen Absprung heraus nach vorwärts. Vollgas von der ersten Note an, eventuell noch stilistisch mit einem kleinen Hourvari versehen.

Aus Sombrun ; L Art de Sonner de la Trompe

 

als Auftaktachtel
Verlängert als Attaque
als Mini Hourvari

 

Das Hourvari (Fusé)

Das Hourvari leitet sich auch von einem alten Jagdschrei ab. Es ist ein Signal, welches geblasen wird, wenn sich die Hundemeute auf der falschen Fährte befindet.

Musikalisch ist es am ehesten mit einem Glissando zu vergleichen. Es beginnt mit einer unteren Note und rutscht mindestens auf die Zielnote auf, wenn nicht sogar eins darüber.

Das Hourvari wird auch als Fusé bezeichnet, das übersteigerte Hourvari als Fusé montante.

Quelle: Carabin, Conte, Heinrich Bien Sonner de la Trompe de Chasse

 

Le Trille, der Triller

In der Literatur findet sich immer wieder das Zeichen tr über den Noten.

Er wird mit der nachfolgenden Note (Sekunde)  nach oben und im Gegensatz zum Tayaut ausschließlich mit den Lippen getrillert.

 

Das Roulé

(frz Rouler: rollen)

Das Roulé ist für uns Parforcehornbläser  ein wirklich interessantes Stilelement. Es ist einfach nachzuvollziehen und erzielt  dabei einen sehr großen Effekt. In der Literatur sind die Roulés nicht  notiert, aber der Bläser weiss, wo er sie einsetzen kann.

Roulés werden im 6/8 Takt auf den Triolen (Croches)  ausgeführt. Man verbindet zwei Achtel miteinander ohne zu binden.  Merke also:  Roulé ist ein verbindendes Stilelement, eine Verbindung aber keine Bindung, Roulés ersetzen sogar meist eine Bindung.

Man betont den ersten Ton piquéartig mit einem kleinem Stützimpuls (Tu) und hängt den zweiten Ton weich an (Da)

Versucht man es lautmalerisch wiederzugeben , geht das als Tu- Daa. „Tu“ hart und „Daa“ weich angestoßen.

Die „Pause“ und die Druckentwicklungsgeschwindigkeit ist in der nachfolgenden Grafik deutlich zu erkennen. Die kleinen Buchstaben bedeuten leiser

Achtung: keinesfalls eine Bindung blasen !

Es gilt aber die Regel, dass Roulés nur in der Abwärtsbewegung und nicht nach oben ausgeführt werden.

Die Triolenachtel erhalten auf diese Weise eine Lockerheit und Leichtigkeit. Gerade in Kirchen mit Nachhall wirken auch die schnellen Passagen  nicht gestopft, sondern als fließende Einheit.

Allein schon die konsequente Anwendung des Roulés markieren den Véneriecharakter eines Stückes. Es ist das Mindeste, was auch von einem deutschen Parforcehornbläser verlangt werden darf um politisch korrekt zu blasen, hier steht das Parforcehorn der Trompe nicht nach.

In der Bassstimme ist das Roulé ein mächtiges Instrument mit dem interessante Akzente setzen und entfesseln kann.

Alternierende Roulés:

Einen besonderen Effekt kann man erzielen, wenn man die Achtel wechselweise auf 1-2 und dann auf 2-3 rouliert. Der Wechsel erzeugt einen kontrapunktären Charakter und bringt nochmals eine Steigerung in Spannung und Temperament.

Notation: Teil 2

Das Roulé und der Off-Beat Rhythmus:

Wenn man einen noch stärkeren Véneriecharakter erziehlen möchte bietet sich der Off-Beat Rhythmus an. Das ist ein markanter Betonungswechsel, der von der regulären Betonung der Achteltriolen auf 1 und 4 abweicht und eben mal im Tonikaakkord auf die 2 betont.

In dem folgenden Stück, der Saint Hubert, wechselt der Off Beat in dem Dominantenduchgang mit einem normalen Beat in der Tonika ab.

 

 

Die Roules sind in diesem Notenbeipiel mit - und . , der Beat mit einem Akzenthütchen notiert. Das Mordentteichen steht für ein Tayaut.

Um die Lebendigkeit darzustellen, die daras entsteht, ein kleiner Auszug von den Bläsern des Débuché de Paris.

 

Das Tayaut:

Die Franzosen halten das Tayaut für den Inbegriff der Jagdlichen Musik und machen es zu einem zentralen Thema in der Musik. Hier scheidet sich das Parforcehorn von der Trompe, trotzdem muss man als Parforcehornbläser  zumindest Kenntnis vom Tayaut haben.

In Fanfaren und dem Fanfarenteil von französischen Stücken findet man immer wieder die  Notierung  eines bestimmten Zeichens, welches üblicherweise in der Musik für einen Mordant gebraucht wird.

Einfaches- und Doppeltayaut

Es handelt sich keineswegs um einen Mordant sondern um ein Tayaut und wird auf einem Viertel oder punktierten Viertel (Doppeltayaut) ausgeführt

.

Trennung der Note in zwei oder

drei Achtel !!!! Stützimpuls auf die Folgeachtel

Das einfaches Viertel wird als zwei Achtel wiedergegeben,  einfache Tayautierung =  Doublé also verdoppelt.

Hauptbetonung aber auf dem ersten Achtel, keine Unterbrechung des Luftstromes

Ein punktiertes Viertel wird doppelt tayautiert, also in drei Achtel triolisiert

Ursprünglich wird das Stilelement Tayaut oder Tayauté von dem JagdschreiTaYo“ abgeleitet. Man ruft „TaYo“, wenn einer der Jäger oder auch Zuschauer den gehetzten Hirsch zu Gesicht bekommt.   Es kann einfach und leidenschaftslos ausgerufen werden „TaYo“ oder jubelnd, jauchzend „Ta- Hii-Yo“.

Im englischen Sprachgebrauch  hat sich daraus der Schlachtruf „Tally- Ho“ entwickelt.

Im Prinzip aber ist der Klang des Jagdschreis eine einfache und exakte Beschreibung (Onomatophäe) darüber was von dem Bläser an dieser Stelle erwartet wird. Allerdings liegt die Betonung des Wortes auf Tay nicht auf Yo.

Durch Hochziehen der Zunge an den Gaumen (ähnlich wie die Aussprache des Th im Englischen),  wird die Note kurz hochgezogen und fällt dann wieder aus das  zweite Achtel zurück. Wichtig ist dass der Luftstrom dabei nicht unterbrochen wird.  Noch etwas ausführlicher: Die Zunge wird weit vorgeschoben, vergleichbar dem englischen „Th“ Dieses Hochziehen der Note kann in die Terz oder sogar bis in ein Quietschen (suraigue) hinein  bis in die Quart erfolgen.

Verschiedene Versuche, die Tayautierung einer Viertel bzw punktierten Viertel auszuschreiben finden sich in allen Trompeschulen, hier ein kleines Panoptikum aus verschiedenen Quellen, das notierte Tayaut in Takt 1 kann so wie in Takt 2 oder 3 oder 4 bis 8 wiedergegeben werden. Die zweite Zeile beschäftigt sich mit dem Doppeltayaut.

 

Inwieweit und wie extrem das Tayaut ausgeführt wird hängt im Wesentlichen von der Stimmungslage und Können des Bläsers ab, und auch sehr  von regionalen und traditionellen Unterschieden. Oft hört man dass das Tayaut der "grössere Bruder" des Roule sei. ich persönlich halte das aber im Grundsatz für falsch. Das Tayaut trennt eine Note (Viertel oder punkt. Viertel) das Roulé hingegen verbindet (nicht bindet) zwei oder drei Achtel

Für den Parforcehornbläser ist es nur wichtig, dass an der Stelle mit folgender  Notation

etwas passieren soll. Er braucht aber nicht ein stilistisch perfektes Tayaut zu bringen, kann aber zumindest  einfach oder doppelt duolisieren  und das erste Achtel mit einem deutlichen Stützimpuls blasen.

Dies sollte er aber immer sparsam und nicht bei jeder sich bietenden Gelegenheit tun. Es erfordert mehr Fingerspitzengefühl  sich in dieser Thematik von den Franzosen zu differenzieren als sie zu imitieren. Vor allem darf diese Technik wirklich auch nur bei französischen Fanfaren angewendet werden. Schlussendlich muss jeder Bläser für sich eine individuelle und für ihn und seine Gruppe umsetzbare Technik entwickeln

Mit der Gruppe „Main-ParForce“ versucht der Autor momentan diese französischen Stilelemente in die Parforcehornmusik einzuarbeiten. Der Gebrauch von Trompemundstücken hat uns dabei sehr geholfen.

Als Beispiel soll hier der Fanfarenteil aus „Printemps“ von Tyndare  Gruyer aufgeführt sein. Man kann sich das Stilelement am einfachsten durch Anhören und Nachahmen  von Tonaufnahmen aneignen.

 

 

Rochard schreibt in seiner  „Le Folklore de la Chasse“.......Wie man einen Tanzschritt in einzelne Teile zerlegt, zerlegen wir nun den Zungenschlag um Klarheit in die Artikulation zu bringen. In der Kavallerie wird den Trompetenschülern der ordnungsgemäße Zungenschlag folgendermaßen beigebracht: Der Lehrer schreibt mit großen Buchstaben vier Silben auf eine Tafel oder Tür: tü dü gü dü. Der Schüler buchstabiert diese Silben in sein Instrument hinein, immer schneller, bis sie miteinander verschmelzen, was  in etwa tüdgdü ergibt. Bei  Anwendung des doppelten Zungenschlages wird aus tüdügüdüdügdü letztendlich tüdgdüdgdü......

Wir in der MainParforce realisieren wir das einfache Tayauté  lautmalerisch mit „Ta-zia“ und das doppelte Tayauté  mit „Ta-zia-zia“. Die Gruppe hat übrigens täglich zunehmend mehr Spaß an der Umsetzung der Musik.

Als Hörbeispiel ein unter den Bläsergruppen sehr bekanntes Stück. Marche de Vénerie das mit französischen Elementen gewürzt sehr viel flüssiger und harmonischer klingt als die bisher bekannten Versionen. Auch der Auftakt, über den fast alle Gruppen stolpern, fügt sich flüssig  in die erste Phrase ein.

 

Nun, zu Schluss ist es aber Zeit eine Abgrenzung der Parforcehornmusik zur Trompemusik zu ziehen. Es handelt sich hier um eine individuelle Angelegenheit, die neben den musikalischen Belangen selbst auch sehr stark vom Selbstverständnis und Erscheinungsbild der Gruppe und auch ihren Instrumenten abhängt.  Man kann hierzulande  Trompemusik auch nicht unbedingt einem völlig unvorbereitetem Publikum präsentieren. Es kann dann leicht vorkommen dass man dann am Ende keinen Applaus erntet, sondern nur tiefes Unverständnis.

Darum geht es aber nicht, es geht hauptsächlich darum, eine französische Fanfare oder den Fanfarenteil in einem konzertanten Stück stilistisch annähernd korrekt wiederzugeben. Das ist man  dem Autor eines Stückes schuldig, wenn man sich freimütig in der französischen Literatur bedient.

Daher ist die Grenze Parforcehorn – Trompe de Chasse eine fließende, der Einsatz der französischen Stilistik für den Korpsleiter eine besondere Herausforderung.

Das aber bedeutet keinesfalls dass man darauf verzichten darf - es ist wie das Salz an der Suppe oder auch  wie mit jedem anderen Gewürz. Ein  Händchen dafür und der gute Geschmack machen die Würze  und den guten Geschmack aus.  Lieber sollte man in diesem Falle auf das Gericht selbst verzichten. Auf guten Ansatz !

 

Literatur:

Tyndare Gruyer: Méthode Complète de Trompe de Chasse, Lemoine Henry Paris
Rochard: Le Folklore de la Chasse Alphonse Leduc Paris
Cornette,V: Methode de Trompe de Chasse Suivie de Fanfares, Combre, Paris
Bruns, Wilhelm: Übungen und technische Studien für Parforcehorn
Höltzel, Michael: Hornschule Bd1 Bd 2, Schott
Höltzel, Michael: Hohe Schule des Horns, Schott
Fensterer Manfred: Jagdhornschule, BLV Verlag
Flachs Werner: Das Jagdhorn, Kalt-Zahnder
Bartels, Uwe: Das Fürst-Pless-Horn, Landbuch Verlag
Normand, Nouvelle Methode de Trompe, 1878 Paris
Bartels, Uwe:  Konzertstücke für Parforcehörner Edition Becker D- 24848 Kropp
Sombrun, A: L´Art der Sonner de la Trompe Bd 1 und 2  Alphonse Leduc Paris
Schneider Ingrid: Die Hubertusmesse Dilplomarbeit Stuttgart 1990
Fischer Wolf Dieter: Der bizzare Charme der Trompe in "Die Pirsch" 2002 S 11-13
Damm Peter; Musik für Jagdhörner Bruni Uetz, BU 1255
B. Brüchle/K. Janetzky, Kulturgeschichte des Horns. 1976, Hans Schneider, Tutzing
K.Janetzky/B.Brüchle, Das Horn, eine kleine Chronik, 1984, Schott's Söhne, Mainz.
G. Karstädt, Laßt lustig die Hörner erschallen! 1964, Verlag Paul Parey, Berlin.
H. Fitzpatrick, THE HORN & HORN-PLAYING and the Austro-Bohemian tradition 1680 - 1830. Oxford.
Neuhaus Hermann, Das Parforcehorn in D;ES,und F das Doppelparforcehorn in ES/B
Notenverlag ML Höffner-Neuhaus Kornwestheim
Stief, Reinhold: Handbuch der Jagdmusik Band 1-9, BLV Verlag
Schantl Josef und Zellner Carl Die Österreichische Jagdmusik Erster Teil Wien 1886
Tellier; Nouveau Manuel du Chasseur, Meissonier, Paris
Bouessée, Joel:  La trompe de Chasse . FITF , Paris
http://josefklier.de/mundstuecke/fuerst-plesshorn-parforcehorn-trompe-de-chasse/
Philippe  Carabin, Christian Conte, Hubert Heinrich.
Bien Sonner de la Trompe de Chasse,   IHH Vol I ISBN 2-9513068-0-6

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