Bassimprovisation von Michael Sebert Marktheidenfeld

Anmerkung des Admin: Die "Saint Hubert" ist ein sehr schönes Beispiel, weil sie integraler Bestandteil der Hubertusmesse ist. Gerade hier z.B beim Introitus kann man sich sehr schön von den Noten lösen und eine eigene, heftig dynamische Basslinie blasen um auch mal von der gewöhnlichen Interpretation abzurücken. Diese Freiheit muss dem Bass zustehen. Eine Teilung der Basslinie ist zudem sehr vorteilhaft, damit die Dominantabsachlüsse mit Pedal rechtzeitig(!) geblasenwerden können. Meist hängen sie ja nach, weil der Bläser für das Pedal erst seine Kiefer umstellen muss. So kann sich der Tiefbass darauf konzentrieren dass das Pedal punktgenau kommt.        Nun aber zurück zum Text von Michael.

Sich Noten aufs Pult zu legen, eine Seite aufzuschlagen und das, was man sieht, einfach abzuspielen ist nicht das, was in diesem Kapitel behandelt werden soll. Hier geht es vielmehr darum, die Fähigkeit des Bläsers, anhand von Grundregeln und dem geschulten Gehör das freie Spielen ohne Noten, zusammen mit einer Melodie und der dazugehörigen zweiten Stimme zu erlernen, um eine neue Bassstimme zu erfinden.

Wie in der französischen Jagdmusik üblich ist oft nur der Notenwert der Melodiestimme einer Fanfare oder eines anderen Stückes notiert, bzw. überliefert. Die zweite Hornstimme spielt dazu in der Regel immer die passenden Hornquinten und die Bassstimme wird improvisiert. Dabei geht es darum, eine Basslinie zu erfinden, die entweder nur das harmonische Gerüst bildet (1), oder sie entwickelt ein richtiges Eigenleben, wobei sie naturgemäß die tiefen Regionen der großen Oktaven verlassen muß um in der kleinen Oktave genügend Töne zu finden, mit denen sie sich trefflich spielen lässt. Je virtuoser so eine Improvisation ausgeführt wird, desto mehr sollte das harmonische Gerüst durch eine zweite Bassstimme erzeugt werden (siehe La Saint Hubert). Gerade bei größeren Werken empfiehlt es sich der Einsatz einer solchen. Naturgemäß ist es nicht ratsam, zu viele Bläser gleichzeitig improvisieren zu lassen. Einer genügt in aller Regel. Ein oder zwei weitere bringen dann mit den reinen Harmonietönen, die ruhig verdoppelt und verdreifacht sein können, die nötige Ruhe und Standfestigkeit in den Satz hinein. Neben den Tönen selbst, die da hervorgebracht werden sollen, ist vor allem das rhythmische Gefühl eine der wichtigsten Aufgaben der Basslinie. Die Betonungen an der richtigen Stelle, sei es im laufenden Achtel oder bei gehaltenen Vierteln, geben dem Stück erst den richtigen Schwung. Gegenläufige Bewegungen zu Melodie können die Qualität ebenfalls enorm steigern. Die Freiheit, die sich ein Bassbläser nehmen kann, ist enorm. Je nach Qualität des oder der Ausführenden können harmonische und rhythmische Extravaganzen ausgelebt werden, die in der Musik, trotz der beschränkten Töne, die auf dem Jagdhorn vorkommen, ihresgleichen sucht. Die einzige immer einzuhaltende Regel ist das gemeinsame Erreichen des richtigen Schlussakkordes. Die folgende Beispiele sind nichts weiter als beliebige Tonfolgen ohne jeden kompositorischen Anspruch. Sie sollen nur dazu dienen, anhand von einfachen Phrasen das Finden der richtigen Töne zu erlernen.

Der Anfang einer jeden Improvisation ist das Auswendiglernen der ersten Stimme. Wem diese zu hoch sein sollte, der darf singen! Denn wer die Melodie nicht im Ohr hat, wer nicht weiß, wieviele Takthälften bis zu nächsten Fermate noch bleiben, der kann unmöglich frei die Töne oder die Figuren wählen, die er gerne spielen möchte. Ohne das bleibt es bein ewigen Abspielen von vorgegebenen oder erdachten und auswendig gelernten Figuren, denen jede kreative Spontaneität fehlen wird. Sich so etwas zuzutrauen verlangt nichts Unmögliches. Auf Grund des beschränkten Tonvorates auf einem Jagdhorn gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten, zwischen denen sich der improvisierende Bassbläser entscheiden muss. Tonika ( also alle Töne der ersten zwei Oktaven, ohne das notierte “B”) oder Dominante. Das ist dann das notierte G. Richtig “verblasen” kann man sich nur auf dem Schlusston, bzw. einer Zwischenfernate. Wenn man hier falsch auskommt, so ist das in der Regel ganz gut zu hören. Zwischendurch kann erst einmal alles als “persönlicher Ausdruck” durchgehen. Eine Kassette mit eingespielten Melodien oder zweistimmen Fanfare im Auto sind die beste Gelegenheit, um ungestört und gegen den Motorenlärm ansingend seine neueste Idee auf diesem Gebiet zu erproben.

 

La Saint Hubert:

An diesem kleinen Stück möchte ich durch verschiedenen Beispielimprovisationen zeigen, wie unterschiedlich diese ausgeführt werden können. Gerade bei so bekannten Stücken wie dem hier vorliegenden fällt es gar nicht so leicht sich etwas neues zu überlegen, zu schnell neigt man dazu, immer wieder die gleichen Kurven und Verzierungen zu gebrauchen. Die vierte Stimme stellt sich als sinnvoll dar, wenn sich mehrere Bläser im Bass befinden. Folgende Grundregeln sollte man mit bei der Ausführung beachten: Ist nur ein Bass vorhanden, so hat dieser naturgemäß alle Freiheiten die er sich nehmen will. Bei zweien gewinnt ein vorgetragenes Stück sehr, wenn der zweite eine wie in der ersten Fassung als vierte Stimme notierte tiefe Linie spielt. Sinnvollerweise sollten sich die zwei Bläser in dieser Weise abwechseln. Alle Schlusstöne, die als “kleines c” notiert sind sollen, so wie in der französischen Jagdmusik üblich eine Oktave tiefer gespielt werden. Dominante Abschlüsse auf “G” sollten nur im Ausnahmefall nach unten, also auf Pedal-g oktaviert werden. Zu einen ist der Ton, da es sich hier nicht um einen Naturton handelt relativ instabil, zum anderen ermüdet es dem Zuhörer, wenn am Ende immer oktaviert wird.

Anmerkung: Noch fehlende Beschriftung

1. Stimme

2. Stimme

3. Hochbass

4. Tiefbass

Bei dieser Fassung wird ganz auf harmoniefremde Töne verzichtet. Der Reiz liegt hier vielmehr in der sehr hoch ausgelegten Stimmführung, welche dem Satz eine noch größere Dichte verleihen kann. Durch die naturgemäße starke Betonung der hohen Noten vor allem auf den betonten Zählzeilen kann hierbei ein enormer rythmischer Effekt erzielt werden. Eine zweite Bassstimme, eventuell sogar eine dritte, welche die Lücke zwischen der ersten hohen und der zweiten tiefen Basslinie schließt kann hier für ein volleres Klangbild sorgen.

In dieser Variante beginnt der Bass mit der Melodie unisono, um anschließend mit durchlaufenden Achteln einen kontrastreichen Part zu entwerfen. Rythmisch ist solch eine Spielweise nicht unbedingt die interessanteste Version. In diesen Fall liegt die ganze Arbeit bei der zweiten Bassstimme, so sie dann vorhanden ist. Für den nichtkonzertanten Einsatz, zum Beispiel bei einer Jagd, ist die vorliegende Fassung allerdings sehr geeignet, da durch die hohe Dichte der Tonfolgen auch eine gewisse Transparenz für die Melodie geschaffen wird, welche dann im Gelände besser zu verstehen sein wird.

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