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Der Hornbrief - Juli 2018 - Die Fanfaren der Reit- und Schleppjagd

Joachim Kolberg, ein Jagdhornist und Komponist für Jagdmusikstücke, erläutert in seinem Vorwort zu seinem aktualisierten Notenband „Jagdsignale und Fanfaren auf Reit- und Schleppjagden mit Fürst-Pless und B-Parforcehörnern die Entwicklung dieser Jagdhornrichtung.

Nachfolgend sein Beitrag „Zur Entwicklung der Signale und Fanfaren der Reit- und Schleppjagden“. Vielen Dank, lieber Jochen, für die Erlaubnis zur Verwendung.

Hier der Beitrag als PDF-Datei.

Joachim Kolberg:

Wenn die in meinen Notenbüchern für Fürst-Pless- und Parforcehörner angebotenen Musikstücke heute auf unseren Reit- und Schleppjagden erklingen, werden sie von Jagdherren und Reitern gewürdigt, weil sie mit dem Jagdgeschehen übereinstimmen.

Durch umfangreiche Nachforschungen konnte ich herausfinden, welche Jagdsignale und Fanfaren zur Tradition der Reit- und Schleppjagden in Deutschland gehören.

So unterstützte bereits 1984 (bei ausführlichen Gesprächen im Zusammenhang mit dem Bundeswettbewerb der Jagdhornbläser-Gilde in Norderstedt) Bläser und Komponist Oskar Weber meine Anstrengungen. Er gehörte einem Trompetercorps der Kavallerie an. Er fand meine Vorgehensweise für ein Notenbuch mit Jagdsignalen für Reit- und Schleppjagden sehr gut. Auch mit meinem Bläserfreund Manfred Hein aus Hamburg besprach ich den Aufbau eines Notenbuches mit Jagdsignalen für Reit- und Schlappjagden. Als ehemalige Jagdreiter mit freundschaftlichen Verbindungen zu ehemaligen Kavallerie-Offizieren wollte er dieses Projekt unterstützen. Er forschte nach alten Jagdsignalen und wurde in einer Heeres-Druckschrift von 1936 fündig (es finden sich dort drei Hornsignale der Kavallerie für reiterliche Es-Parforcehornbläser). Aber auch z.B. in Ungarn, Frankreich, Italien, Schweiz, Österreich-Ungarn, Polen England und Russland gab es früher Kavallerie-Regimenter mit eigener reiterlicher Jagdmusik.

Die in den letzten Jahrzehnten in Jagdhorn-Bläserkreisen publizierten und lautstark vertretenen aber nicht bewiesenen Behauptungen, dass die Jagdsignale der Hetzjagd vom 15. bis 17. Jahrhundert aus Frankreich, die Jagdsignale der deutschen Jäger oder die Jagdsignale aus der ehemaligen k.u.k. Monarchie Österreich-Ungarn zum Brauchtum und zur Tradition unserer Reit- und Schleppjagden gehören, konnten damit widerlegt werden.

So findet sich in keinem meiner ca. 20 Notenbücher aus Europa ein Hinweis, dass die dort aufgeführten Jagdsignale für Reit- oder Schleppjagden im deutschsprachigen Raum komponiert wurden. Selbst in dem für Deutschland bekanntesten Notenbuch „Jagd- und Waldhornschule“ von Bernhard Pompecki gibt es keine Hinweise auf Jagdsignale für Reit- und Schleppjagden, sondern nur auf Jagdsignale für die unterschiedlichen Formen der Hetzjagden.

Auch in meinen Gesprächen mit Prof. J. Pöschl, Komponist österreichischer Jagdmusik, wurde mir bestätigt, dass die mehrstimmigen Jagdsignale für Es-Parforcehörner aus der Zeit der k. u. k. Monarchie Österreich-Ungarn nur für die dortigen Parforcejagden des Adels im 18. und 19. Jahrhundert komponiert wurden. Ebenfalls bestätigten mir Herr Bernard Bertrand und Herr Maurice Sergent, ehemaliges Vorstandsmitglied der FITF (Fédération International des Trompes de France) in Gesprächen, dass die FANFAREN DE CIRCONSTANCES ET ANIMAUX in den vergangenen Jahrhunderten von mehreren Komponisten nur für die Parforcejagden mit seinen verschiedenen Jagdformen in Frankreich komponiert wurden.

Alle diese Jagdsignale wurden in Zeiträumen komponiert, als es im damaligen Deutschen Reich noch keine Reit- und Schleppjagden gab.

Der Import und die Verbreitung der Jagdsignale aus Österreich und Frankreich erfolgte erst in den 80er- und 90er Jahren durch Vorstandsmitglieder der Jagdhornbläser-Gilde, ohne dass die Gildemitglieder darüber informiert wurden.

Alle diese Signale wurden für andere Jagdformen oder für das Militär komponiert und stimmen mit dem Jagdgeschehen und dem Jagdablauf unserer Reit- und Schleppjagden nicht überein. Zu der Zeit, als diese Kompositionen entstanden, gab es in Deutschland noch keine Reit- und Schleppjagden. [die meisten Signale und einige Stücke unserer „B-Hörner“ wurden mit den Jägern des Fürst von Pless aus dem Militärgebrauch abgeleitet – siehe „Der Hornbrief - April 2017 - Die Herkunft unserer Jagdhornsignale“, Martin Geyer auf www.parforcehornmusik.de ].

Meine Nachforschungen ergaben, dass die Jagdreiter der preußischen Kavallerie bei der Gründung der Schleppjagdvereine vor ca. 170 Jahren mit eingebunden waren, so erzählt dies z.B. die Geschichte des Hamburger Schleppjagd Vereins. Damit wurden auch deren Jagdsignale und Fanfaren auf den Reit- und Schleppjagden eingeführt und bis in die 1940er Jahre geblasen. Sie gehören zur Tradition dieser Jagdformen, sind aber leider verschollen und in Vergessenheit geraten. Ein Zeitzeugnis in Bildform von 1910 zeigt eine Schleppjagd mit sechs uniformierten Jagdreitern der Kavallerie.

2018 07 01
„Schleppjagd“ vom Maler
A. Jank, datiert 1910, Sechs Jagdreiter in Uniform der Kavallerie

(weitere Informationen sind aus Büchern wie z. B. „Reiterinnerungen von G. J. Whyte-Melville“ oder „K. von Keudell und Frhr. von Esebeck von 1922“ zu entnehmen. In den Traditionsgeschichten älterer Schleppjagdvereine werden der enge Kontakt und die Namen von Vereinsmitgliedern aus den Kavallerie-Regimentern beschrieben)

Mit diesen erworbenen Erfahrungen kam es durch meinen Freund General Bertrand Pflimlin in den 90er Jahren zu einem Zusammentreffen mit einem sehr großen berittenen Bläsercorps der Kavallerie. Das war ein sehr eindrucksvolles und prägendes Erlebnis. Da konnte ich die Bläser mit ihrem Hörnerklang aus allernächster Nähe erleben.

Das führte zu einem längeren Studium der Methoden und Rhythmen der Kavallerie-Musik. Es standen mir auch Melodien alter Reiterlieder zur Verfügung und dazu lernte ich die Stilelemente der traditionellen reiterlichen Jagdmusik kennen (es gibt eine Auswahl von Melodien alter Volks-, Jäger-, Vaterlands-, Studenten- und Reiterlieder aus dem 18. und 19. Jahrhundert im Liederbuch „ERK`S Liederschatz“. Sie wurden auch in Reitermärsche für die verschiedenen Gangarten der Pferde z. B. Dressur, Trap, Galopp, Quadrille integriert).

Als auffälligsten Unterschied kann man wohl die überwiegende Nutzung des 2/4-Taktes in der reiterlichen Musik anführen, während die Jagdsignale der Parforcejagd aus Frankreich alle im 6/8 Takt komponiert sind, da diese meistens im Sattel sitzend während des Galopps geblasen werden.

All dies ermutigte mich, neue und passende jagdliche Hornsignale für Reit- und Schleppjagden zu komponieren, die an die Tradition der Jagdsignale und Fanfaren der Reit- und Schleppjagden früherer Zeiten anschließen.

Vita Joachim Kolberg: Leben mit der Jagdmusik

Nach einer Ausbildung als Jugendlicher in Gesang und am Klavier lernte ich später als Mitglied in einem Reiterverein das kleine Jagdhorn und die verschiedenen großen Jagdhörner kennen. Mit Freunden gründete ich eine Bläsergruppe in Norderstedt und zweimal wurden wir auch Bundessieger beim Wettbewerb der Jagdhornbläser-Gilde. Zu Auftritten wurde auch häufig zu Pferde geblasen. Dieses schöne Hobby musste ich leider aus beruflichen Gründen aufgeben. Später machte ich die Jägerprüfung und lernte die Jagd mit Büchse, Flinte und den Jagdsignalen kennen.

Es entwickelte sich bei mir eine große Liebe zu den unterschiedlichen Jagdhörnern. Vom B-Horn über das Es-Horn bis zum D-Horn. Um die dafür erforderlichen Blastechniken richtig zu erlernen, besuchte ich für alle Hörner Seminare mit intensiver Ausbildung in Einzel- und Gruppenunterricht in Deutschland bei Mitgliedern der „Deutschen Naturhornsolisten und in Frankreich und Belgien in vielen Lehrgängen der FITF bei bekannten und erfolgreichen Trompe-Bläsern.

Nach dem Erreichen des „Brevet du Sonneur“ trug ich das Erlernte auf Solo- und Gruppenwettbewerben im deutschen und französischen Sprachraum vor und setzte es als Mitglied in einer Bläsergruppe ein. Viele Jahre später konnte ich meine Kenntnisse auf dem Gebiet der Jagdhornmusik als Leiter einer Bläsergruppe und als Solist, Dozent und Komponist für das kleine und große Jagdhorn an interessierte Jagdhornbläser weitergeben.

Dieses intensive Bläserleben wurde ergänzt durch Auftritte auf Reit-, Schlepp- und Treibjagden in Deutschland und Parforcejagden in Frankreich, mit unterschiedlichen Hörnern, Jagdsignalen und Blastechniken. Es wurde begleitet von einem Studium über die Entwicklung der Jagdhörner und der Jagdsignale bei Falknern Jägern und Reitern in den vergangenen Jahrhunderten.

So entwickelte sich der Gedanke zum Komponieren. Als Freund der Falkenjagd und ehemaliger Reiter und Jäger entstanden für das kleine Jagdhorn „Die Falkner- und Jägermesse“ und das Notenbuch „Jagdsignale und Fanfaren der Falkner, Jäger und Reiter“. Danach erstellte ich die „Hubertusmesse für Parforce- oder Waldhörner“ und das Notenbuch „Jagdmusik aus verschiedenen Jahrhunderten mit Parforce- oder Waldhörnern“.

Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, zur Brauchtumspflege das Kulturgut Jagdhornmusik für interessierte Bläser zusammenzutragen, sie mit weiteren Stimmen zu arrangieren und in der Form von Notenbüchern anzubieten. Dies soll zum Erhalt und der möglichst weiten Verbreitung des Brauchtums dienen.

Die Notensammlungen können erworben werden unter: siehe Homepage www.jagdhornmusik.de.

Martin Geyer

Gruß Martin Geyer

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