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Was bedeutet das für das Jagdhornblasen ?

Beim konzertanten Blasen wird man auf Korrekturen zugunsten der Intonation nicht verzichten können, so daß hier zwangsläufig die Dämpfungs- oder Schalttechnik zur Anwendung kommt. Jede andere Einstellung wäre zu puristisch. Das F2 notfalls zu schalten, mit den Lippen nach unten zu korrigieren oder kurz mit der Hand abzudecken sollte zum Handwerkszeug des Jagdhornisten gehören. Die anzuwendende Blastechnik hängt, neben der physischen Besetzung mit reinen Es oder mit Umschalthörnern, immer von der Auswahl des Stückes ab. Der avancierte Bläser wird sich nicht im Schützengraben der einen oder anderen Partie verschanzen dürfen, sondern muss beide Techniken gleichwohl beherrschen. Allerdings muss sich der Hornmeister der Gruppe im Klaren sein, welche Ansprüche er an seine Truppe, die Bauweise seiner Hörner und das Publikum stellt und welches Image er nach außen repräsentieren will.

Bläst man Weihnachtslieder und andere Volkslieder, die allgemein bekannt und "im Ohr" sind, ist es ein Muss, genau zu intonieren oder gleich zu schalten. Ich gehe sogar so weit, dass man auf die Darbietung volksbekannter Stücke eher verzichten sollte. Man kann auch zu der Gruppe von Parforcehörnern Ventil- oder Waldhörner stellen, die von F-Horn die führenden Stimmen eine Sekunde tiefer transponieren oder die führenden Stimmen konsequent mit b/es Umschalthörnern besetzen. Für Plessgruppen gibt es mehrere Stücke, bei denen ein oder zwei Ventilplesstimmen notiert sind. Ein einfaches offenes Blasen ohne Intonation klingt sehr, sehr jämmerlich.

Die Umsetzung der Technik spiegelt sich auch in der Besetzung, der Hornhaltung und der Aufstellung der Bläser wider. Die Gefahr, die man läuft, ist eine Jagdhorngruppe mit einem Posaunenchor zu verwechseln oder auch Jagdmusik von romantischer Waldhornmusik. Er muss vor dem ersten Ton den historischen Hintergrund und die kulturelle Provenienz des Stückes kennen um es überhaupt richtig interpretieren zu können. Es kann weitaus besser sein auf ein Stück zu verzichten, wenn man keinen Zoll an dessen Herkunft zahlen möchte.

Eine  französische Fanfare oder auch böhmisch-tschechische Jagdmusik würde man ganz offen blasen und die Naturtöne belassen wie sie sind. Bei den französischen Stücken sollten auch diverse spezielle Stileelemente (s.d) mit eingearbeitet werden und das Stück nicht nur im Ton simple (s.d) präsentiert werden.

Ein vier bis fünfstimmiges konzertantes Stück für den musikalischen Salon lebt manchmal von gebeugten Töne in der dritten Stimme zur Akkordergänzung. Auch in der ersten Stimme machen sich Halbtonschritte ausnehmend gut. Man würde solch ein Stück auch nicht in der freien Natur blasen, wo man die gestopften Töne schwerlich vernehmen kann. Hier ist es das a1 was die Schwierigkeiten macht. Da das a1 zum h1 hinleitet, steht es meist eine Note vor der Dominante in der dritten Stimme. Das a1 kann nicht geschaltet, sondern nur gestopft werden.

Bei den Stücken von Stief ist man meist mit der Umschalttechnik gut bedient, besonders in der dritten Stimme. Es kommt relativ häufig ein h1 vor, manchmal ein d. In einer Gruppe mit einheitlichem chorischen Klangbild bringen die sauberen geschalteten Töne wesentliche Vorteile (solange B- und Es-Schläuche am Horn aufeinander abgestimmt sind!). Ähnliches gilt wohl auch für die "Neue Österreichische" Jagdmusik. Diese Musik ähnelt immer mehr böhmischer Blasmusik so dass auch in der Basspassage das d1 gerne geschaltet wird.

Manche Quinten z.B. g1-d2 lässt man einfach geschaltet liegen, man kann so besser "zielen", ähnliches gilt für das Treffen des g0 oder des Pedal-g. Bei den Stücken aus der ehemaligen DDR, also Herbert Demel ist das Ventil auch einzusetzen.

Bei älteren österreichischen Stücken (Stiegler, Schantl) ist ein weicherer, romantischer Klang ähnlich dem des Wiener Horns anzustimmen. Man hat hier die Überschneidung zum Waldhorn. Die Mensur und Stürze der historisch verwendeten Instrumente (Modell Leichamschneider) entspicht dem auch eher. Die Musik wir aber totzdem offen geblasen, auf gestopfte Töne verzichtet, eine gelegentliche Korrektur ist höchstens beim f2 notwendig.

Bei französischen Fanfares de Fantaisie und bei französischen Messen ist wohl die Dämpfungstechnik am ehesten gefragt, besonders im Radoux. Hier gehören die Noten wie  b, h, fis, es und a zum Charakter des Stückes. Es gibt Stücke (Rochard) wie "Marche funébre" oder die "Veillée" von Chalmel  die in a Moll oder "Regrets" in c Moll. Diese Stücke entwickeln einen ganz besonderen eigenartigen Charme (Tragisch, trauernd)

Will der Jagdhornist solistisch blasen, seine Musik mit Klangfarben und mal romantischen, mal harzigen Klängen verzieren, wird er auf die Möglichkeit der Klangformung mit der Hand niemals verzichten wollen.

Schon mit den Lippen lässt sich der Ton um ca. 50 cent nach unten und ca. 25 cent nach oben modulieren (100 cent= 1 Halbton). Das ist ein sehr wichtiger Umstand. Manche Bläser - und da fällt mit Hubert Heinrich auf seiner CD "Trompe enchantée)" ein - korrigieren meisterlich fast ausschliesslich mit den Lippen.

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